Drohendes Bauernsterben: Gefahr durch ausländische Tierqual-Produkte

Sie sind Ernährer, Arbeitgeber und Landschaftspfleger: Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten wertvolle Arbeit für unsere Heimat. Doch sie geraten immer stärker unter Druck durch Billig-Importe, Konzentrationsbewegungen und die Globalisierung. Wieso wir sie jetzt stärken müssen, auch in Hinblick auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz. Und wieso das Tierschutzvolksbegehren hierzu einen maßgeblichen Beitrag leisten möchte.

Die österreichische Land- und Forstwirtschaft wird derzeit von rund 160.000 Betrieben getragen, welche Produkte im Wert von fast 9 Milliarden Euro erzeugen.[1] Ihre Anzahl sinkt seit Jahren, im Schnitt müssen gegenwärtig 5-6 Betriebe pro Tag für immer aufgeben.[2] Eine Entwicklung, die uns Sorgen sollte. Denn unsere Bäuerinnen und Bauern sind nicht nur unsere Ernährer, sie sorgen auch für Arbeit in den Regionen und pflegen die Landschaft. Sie gehören zum Fundament, auf dem unser Land gebaut ist.

Doch dieses Fundament droht durch mehrere Entwicklungen zu erodieren. Einerseits finden auch in Österreich die aus ganz Europa bekannten Konzentrationsbewegungen in der Landwirtschaft statt, also eine Abnahme der Betriebe bei steigender Fläche bzw. Viehbestand pro Betrieb. Die Großen sind im Vorteil, was sich auch an der Verteilung europäischer Fördermittel erkennen lässt. Die Landwirtschaftspolitik ist gefordert aktiv gegenzusteuern und dafür zu sorgen, dass die vielen Kleinen nicht untergehen.

Denn fast 2 Milliarden Euro stehen jährlich an Gemeinde-, Bundes- und EU-Mitteln zur Verfügung um die österreichische Landwirtschaft zu stärken. Diese Förderungen sind eine wichtige Säule, doch sie können nicht die alleinige Antwort auf die Herausforderungen der BäuerInnen sein. Und eine Vergrößerung der Abhängigkeit von staatlichen oder europäischen Zuschüssen sollte nicht in Kauf genommen werden, weder im Sinne der nationalen Souveränität noch der Selbstbestimmtheit der HofbesitzerInnen.

Subventionierung von Umweltschäden & Tierleid im Ausland

Andererseits werden Unmengen an Lebensmitteln importiert, die unter deutlich schlechteren Umwelt- und Tierschutzbedingungen produziert und daher günstiger angeboten werden können. Und so kommt es, dass nicht nur die bei uns verbotene Eiproduktion in Käfighaltung im Ausland indirekt durch unseren Konsum und unser Steuergeld subventioniert wird, sondern auch unter furchtbaren Bedingungen hergestellte Milch- und Fleischerzeugnisse. Weil sie billiger sind und viele Menschen nicht wissen, woher ihr Essen stammt.

Es ist schlimm genug, dass KonsumentInnen noch immer nicht voller Einblick in die Herkunft ihrer Lebensmittel gegeben wird – ein Umstand, den wir dringend ändern müssen.  Es kann nicht sein, dass in verarbeiteten Produkten, in Speisen in der Gastronomie oder in öffentlichen Küchen, unbemerkt die Pute aus Polen oder das Ei aus der Ukraine stecken. Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar – in dem Fall könnte man auch sagen, dass sie ihnen zuträglich ist. Denn eine bewusste Konsumentscheidung können sie nur treffen, wenn sie voll informiert sind.

Doch fast schlimmer ist, dass hunderte Millionen an Steuergeld für diese oftmals qualitativ minderwertigeren und jedenfalls nach Tier-, Klima- und Umweltkriterien schlechteren Erzeugnissen ausgegeben werden. Wieso darf der Kindergarten Fleisch aus Polen kaufen? Wieso dürfen im Krankenhaus die Eier aus der Ukraine am Teller landen? Wieso müssen alle ÖsterreicherInnen auf diesem Wege ungefragt und ungewollt eine Produktion mitfinanzieren, die gegen unsere Vorstellungen von Tier- und Umweltschutz und geltendes Recht verstößt?

Wieso investieren wir rund 2 Milliarden Euro jährlich in die Stärkung der heimischen Landwirtschaft, aber geben unser Steuergeld für die Beschaffung ausländischer Produkte aus? Wieso fordern wir – zurecht – von unseren Landwirten die Einhaltung immer höherer Umwelt- und Tierschutzstandards, aber belohnen dann mit unserem Konsum und Steuergeld jene, die sich nicht daran halten müssen? Das ist ein untragbarer Zustand. Ein weiterer Umstand kommt dazu, dem man sich auch in der Politik nun intensiver wird widmen müssen:  Der Klimawandel.

Eine historische Chance: Das Tierschutzvolksbegehren

Schon jetzt bemerken wir die gewaltigen negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Hitzewellen und Dürren, Spätfrost, frühere Ernten und größerer Schädlingsbefall, starke Niederschläge und Hochwasser – die negativen Folgen sind zahlreich. Und sie sind teuer. Nach konservativen Schätzungen betragen sie aktuell schon rund 1 Milliarde Euro pro Jahr, bis Mitte des Jahrhunderts soll sich das auf bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr steigern.[3] Eine unvorstellbare Summe, existenzbedrohend für die Landwirtschaft.

All diese Entwicklungen zwingen uns zum Handeln. Wir müssen jetzt aktiv werden und zwar gemeinsam. Die Umwelt-, Klima- und Tierschützer und die Bäuerinnen und Bauern. Die besorgten KonsumentInnen und jene, die für ihre Kinder und Enkelkinder einen gesunden, sicheren Lebensraum wünschen. Wir werden mit dem Tierschutzvolksbegehren nicht alle Probleme lösen können, aber wir versuchen einen bedeutsamen Beitrag zu leisten. Und jeder einzelne Schritt ist jetzt wichtig, wenn wir das Schlimmste noch abwenden wollen.

Wir haben die Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens so gestaltet, dass eine maximale Stärkung der Landwirtschaft mit ihrer Umsetzung einhergeht. Tierwohl darf nicht auf Kosten der Menschen oder der Umwelt gehen. Es ist uns ein großes Anliegen herauszuarbeiten, wieso das Hand in Hand gehen muss. Und wieso wir alle gewinnen, wenn wir die tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft forcieren. Dabei werden wir bestehende Denkmuster aufbrechen und neue Allianzen schließen. Über Partei- und Befindlichkeitsgrenzen hinweg.

Es ist wichtig, dass wir uns der Chance bewusst werden, die in dieser historischen Initiative liegen. Für Mensch, Tier und Umwelt. Gemeinsam können wir eine positive Veränderung bewirken. Zusammen kann es uns gelingen den Wandel zu befördern, den wir uns so wünschen und den wir im Grunde auch alle dringend brauchen. Und wenn schon nicht aus Überzeugung, dann aus Liebe zu unseren Kindern und Enkelkindern. Denn am Ende bedrohen diese Entwicklungen nicht weniger als die Chancen nachfolgender Generationen.

Den ganzen Beitrag gibts auch hier als Podcast zu hören.


[1] vgl. Grüner Bericht 2018
[2] vgl. Statistik Austria, Agrarstrukturerhebung 2016
[3] Vgl. Global 2000