Interview: “Tierschutz sollte schon in der Schule beginnen”

Vor über 30 Jahren wurde der Verein Tierschutz im Unterricht von der Lehrerin Charlotte Probst gegründet. Seitdem haben speziell ausgebildete TierschutzlehrerInnen in tausenden österreichischen Schulen unterrichtet. Wir wollten von Vereinsobmann Mag. Martin Walzel wissen, welche Rolle der Tierschutz in unseren Schulen spielt, was sein Verein hierbei leistet und was er sich vom Tierschutzvolksbegehren erhofft.

Inwiefern spielt das Thema Tierschutz eine Rolle im allgemeinen Lehrplan an österreichischen Schulen?

Es gibt kein eigenes Unterrichtsfach „Tierschutz“, aber das Thema soll von den Lehrenden in den Unterricht einfließen. Wie dies allerdings im Schulalltag umgesetzt wird, hängt in erster Linie vom Engagement der LehrerInnen ab und davon, ob das Thema ein persönliches Anliegen ist.

Warum gehört Tierschutz in den Schulunterricht?

Tierschutz gehört in den Schulunterricht, weil damit die heranwachsende Generation erreicht werden kann. Die meisten Kinder haben grundsätzlich einen positiven Zugang zu Tieren und begegnen ihnen liebevoll. Im Laufe der Entwicklung zum Erwachsenen werden diese empathischen Zugänge jedoch durch Gleichgültigkeit verschüttet. Mit dem Tierschutzunterricht wird die Jugend über alle Schulstufen hinweg für das Thema sensibilisiert, in der Hoffnung, dass diese neue Generation einen ethisch weiter entwickelten Umgang mit den Tieren pflegt.

Wie ist der Tierschutzunterricht strukturiert?

Der Tierschutzunterricht gliedert sich grundsätzlich in drei Teile: Im ethischen Einstieg wird den SchülerInnen das Du im Tier näher gebracht, die Bedürfnisse der Tiere werden vermittelt und die Ähnlichkeit und somit die Gemeinsamkeiten mit uns Menschen werden erarbeitet. Im Informationsteil werden unterschiedliche Problemfelder im Umgang mit den Tieren erläutert, von den exotischen Haustieren über die Nutztiere bis hin zu den Versuchstieren. Im Lösungsteil werden mit den SchülerInnen Verhaltensweisen erarbeitet, mit denen jeder Einzelne zur Verbesserung der Tiersituation beitragen kann.

Wie bringt man jüngeren Kindern das Thema Tierschutz näher, ohne sie zu traumatisieren?

In erster Linie durch eine altersgerechte Auswahl der Themen und Materialien. Der Unterricht wird auch lustig und liebevoll gestaltet und die einzelnen Teilbereiche werden immer mit schönen Bildern und einem lebensbejahenden Abschluss beendet.

Mit welchen typischen Fragen kommen die Kinder im Unterricht auf Sie zu?

Häufig fragen Kinder, warum die Menschen so wenig Verständnis für das Wohl der Tiere haben. Und genau diesen Zugang sollen TierschutzlehrerInnen vermitteln: Verstehen die SchülerInnen die Tiere und ihre Bedürfnisse besser und erkennen das Unrecht in unserem Umgang mit ihnen, werden sie selbst nicht zu derart verständnislosen Erwachsenen werden.

Intensivtierhaltung und Tiertransporte sind wichtige Punkte im Volksbegehren. Welche Rolle spielen diese Themen in Ihrem Unterricht?

Das sind wesentliche Themen im Tierschutzunterricht, da Missstände in diesen Bereichen leider nicht nur alltäglich sind, sondern wir diese auch jeden Tag durch unser bewusstes Konsumverhalten positiv beeinflussen können.

Was ist das Ziel Ihres Tierschutzunterrichts? Was sollen die Kinder aus dem Unterricht mitnehmen?

Unrecht gegenüber Tieren passiert leider permanent in unserer Welt. Vieles davon weiß man nicht, will man nicht wissen und kann man nicht sofort ändern. Aber dieses Unrecht darf nicht übersehen und lapidar damit kommentiert werden, dass es halt so ist, dass es eh schon immer so war und man eh nichts dagegen tun kann. Wir alle können durch unser Verhalten dazu beitragen, die Anliegen des Tierschutzes nicht zu vergessen. Wir müssen uns für das Wohl der Tiere einsetzen und eine neue Generation mit einer gelebten tierumfassenden Ethik heranbilden.

Welche Reaktionen auf diesen Unterricht gibt es seitens der Kinder und ihres Umfelds?

Die Kinder freuen sich auf die TierschutzlehrerInnen! Sie sind Gäste an den Schulen und informieren über interessante Zusammenhänge rund um die Nutzung der Tiere durch uns Menschen. Viele Überlegungen werden die SchülerInnen im normalen Regelunterricht wohl noch nicht gehört haben und darum sind sie dankbar, auch dafür, dass ihre Lieblinge, die Tiere, im Mittelpunkt stehen und sich jemand für sie einsetzt.

Wie begegnen Sie dem möglichen Argument, dass der Tierschutzstandard in Österreich doch ohnehin hoch und Veränderung nicht nötig sei?

Es ist richtig, dass Österreich im Vergleich zum Rest der Welt fortschrittlichere Tierschutzgesetze hat, dennoch gibt es auch in unserem Land noch sehr viel Handlungsbedarf. Außerdem ist der Missbrauch der Tiere ein weltweites Problem und in einer globalisierten Welt ist man immer irgendwie in die Thematik eingebunden.

Was erhoffen Sie sich vom Tierschutzvolksbegehren?

Das Tierschutzvolksbegehren wird auf Missstände hinweisen, Verbesserungen einfordern, den Tierschutzgedanken wieder verstärkt in den Köpfen der ÖsterreicherInnen verankern und somit einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung einer tiergerechten Welt liefern.

Danke für das Interview!


Kontakt: office@tierschutzimunterricht.org

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