Offener Brief an Ministerinnen: Tiertransporte bei extremer Hitze verbieten!

Sehr geehrte Frau Ministerin Patek!
Sehr geehrte Frau Ministerin Zarfl!

In Frankreich wurde der Transport von Tieren bei extremer Hitze jüngst verboten. Hintergrund dafür ist, dass bei Außentemperaturen von über 30 Grad, die Temperatur im Inneren eines Transporters auf bis zu 50 Grad ansteigen kann. Das führt nicht nur zu einer außerordentlich hohen Stressbelastung und Angst bei den Tieren, sondern führt nachweislich zu erhöhter Verletzungsgefahr und ist letztlich für viele Tiere lebensbedrohlich.

So schätzt man in Deutschland, dass alleine über 100.000 Schweine pro Jahr bei Inlands-Transporten sterben oder so stark verletzt werden, dass sie eingeschläfert werden müssen. Ein Transport unter diesen Bedingungen widerspricht damit eindeutig der EU-Tiertransportverordnung, in der ausdrücklich festgehalten wird, dass Transporte nicht durchgeführt werden dürfen, „… wenn dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden.“ Diese Formulierung findet sich auch im Bundestierschutzgesetz.

Nun erleben wir immer mehr Tage mit Temperaturen von über 30, 33 oder gar 36 Grad und die Berichte über gesundheitlich beeinträchtige, schwer verletze oder gar elendig gestorbene Tiere in Transporten häufen sich in ganz Europa. Dennoch rollen die Tiertransporte in Österreich ungebremst weiter und es wurden bislang keinerlei besondere Maßnahmen gesetzt. Übers Jahr gerechnet werden durchschnittlich 275.000 Tiere täglich auf unseren Straßen lebendig transportiert. Auch in der größten Hitze.

Bei jedoch lediglich 4 Straßen-Kontrollen pro Tag kann in keinster Weise davon ausgegangen werden, dass die ohnehin viel zu laschen gesetzlichen Schutz-Bestimmungen tatsächlich eingehalten werden. Berichte zeigen vielmehr, dass schon unter normalen Witterungsverhältnissen die Bedingungen in den Transporten oft unzumutbar sind, insbesondere was die Dauer, die Versorgung mit Wasser oder die Einhaltung der Platzerfordernisse betrifft.

Ich fordere Sie, die zuständigen Landwirtschafts- und Tierschutzministerinnen, daher auf, sich rasch abzustimmen und eine Notverordnung zu erlassen die sicherstellt, dass während hoher Temperaturen, also etwa über 30 Grad, kein einziges Tier in Transporten bei uns mehr zu Schaden kommt und diese daher zumindest temporär untersagt werden. Wenn die Republik Frankreich das kann, dann muss es auch in Österreich möglich sein die Tiere entsprechend zu schützen.

Außerdem ersuche ich Sie die von der ehemaligen Tierschutzministerin Beate Hartinger-Klein kürzlich vorgenommene Änderung im Tiertransport-Handbuch, wonach Belade- und Entladezeiten bei der Transportdauer nicht mehr eingerechnet werden und diese dadurch deutlich ansteigt, wieder zu korrigieren. Auch dies widerspricht eindeutig der Intention der EU-Gesetzgebung, wirkt sich stark nachträglich auf die Tiere aus und ist daher nicht rechtskonform.

Darüber hinaus sollten mittelfristig alle Maßnahmen in Ihren Ressorts gesetzt werden die inländischen Tiertransporte weitestgehend obsolet zu machen, Auslandstransporte drastisch zu reduzieren und die Bedingungen bei Transittransporten zumindest deutlich zu verbessern. Als Tierschutzvolksbegehren haben wir entsprechende Vorschläge vorgelegt, die das Tierwohl steigern, die Umwelt und das Klima schonen und die heimische Landwirtschaft zusätzlich fördern würden. Für ein Gespräch stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Hochachtungsvoll,

Dr. Sebastian Bohrn Mena
Initiator Tierschutzvolksbegehren