“Es ist traurig, dass Tiere immer noch als Sache angesehen werden”

Pfarrer Franz Zeiger ist für seine Tierliebe bekannt. Er hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in der Pfarre Linz, St. Peter die Vorzeigeprojekte TierTafel und den Mittagstisch eingerichtet. Jährlich verteilen sie fast 18 Tonnen Tierfutter an bedürftige Menschen und ihre Tiere. 2014 wurde die TierTafel mit dem Bundestierschutzpreis der Republik Österreich ausgezeichnet. Im Interview erzählt uns Pfarrer Zeiger, weshalb er im Gottesdienst und auch virtuell Tiersegnungen anbietet, welche Rolle Tiere für in Armut lebende Menschen spielen und weshalb ihn das Tierschutzvolksbegehren zuversichtlich stimmt.

Was bewegte sie dazu (Tier-) Pfarrer zu werden und welchen Stellenwert geben Sie Tieren in der Kirche?                                

Obwohl es mich bereits seit meiner frühen Jugend zum Priesterberuf hingezogen hat, habe ich lange gezögert, diesen Schritt wirklich zu tun. Zunächst war ich als Behindertenpädagoge tätig und wurde erst nach dem Theologiestudium im Alter von 35 Jahren zum Priester geweiht. Schon immer wollte ich den Tieren den Platz geben, der ihnen dem Heilsplan Gottes entsprechend zusteht. Bereits in meinem ersten Kaplansjahr begann ich Tiersegnungen durchzuführen. Damals war das noch recht ungewöhnlich und wurde von manchen Leuten belächelt. Mittlerweile haben viele Kollegen diese Idee aufgegriffen. Zur Umsetzung von Tiersegnungen erhalte ich Anfragen aus dem In- und Ausland.

Der von Ihnen angesprochene Titel „Tierpfarrer“ ehrt mich ganz besonders. Kein Würdenträger kann diesen Titel verleihen. Er kommt aus dem Volk, von Tierfreundinnen und Tierfreunden. Darum trage ich die Bezeichnung mit Stolz und Demut. Demut vor dem, was die Tierfreunde mir zutrauen und sich von mir erwarten.

Wie läuft eine Tiersegnung ab und welche Tierarten haben sich schon daran beteiligt?

Unsere Tiersegnung findet immer am nächstliegenden Sonntag zum. 4. Oktober statt. Dies ist der Gedenktag des Hl. Franz von Assisi und gleichzeitig der Welttierschutztag. Die Tiersegnung ist Teil der sonntäglichen Gemeindemesse und wird bei Schönwetter am Kirchenplatz und bei Schlechtwetter in der Kirche zelebriert. Hauptsächlich sind Hunde, Katzen, Hasen und Meerschweinchen vertreten. Stammgäste sind aber auch Pferde und die Alpakas aus dem Tiergarten Walding. Immer wieder segne ich auch Exoten wie Schlangen oder Leguane. Es ist wirklich ein tolles Gefühl, von Gottes Geschöpfen umgeben zu sein. Ein bisschen fühle ich mich dabei immer wie auf der Arche Noah.

Welche Tiergefährten haben Ihr Leben geprägt? Haben Sie ein Lieblingstier?

Ich bin mit Tieren wie Hamstern, Mäusen, Hasen, Schildkröten, Katzen und Hunden aufgewachsen. Schon im Kindesalter wollten uns unsere Eltern die Liebe zum Tier verinnerlichen, soziale Kompetenz und Verantwortung für ein Mitgeschöpf vermitteln. Soweit es dem jeweiligen Alter meiner Geschwister und mir entsprach, hatten wir uns um das uns anvertraute Tier selbst zu kümmern.

Ich könnte nicht sagen, welches mein Lieblingstier ist. Wahrscheinlich immer jenes, welches ich gerade umarme und streichle. Ich habe sie alle lieb, das ist einfach so. Mein Pfarrhaus wird derzeit von sechs Katzen und zwei Hunden bewohnt. Die Hunde Laura und Maxi waren in Kroatien als Straßenhunde unterwegs und auch die Katzen sind Findelkinder.

Welche Bibelzitate weisen auf die Beziehung Gottes zu Tieren und deren Würde hin?

Sehr viele! Hier einige, die mir besonders wichtig sind:

Gen 1, 20-22

Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, dass es gut war. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.

Psalm 150, 6

Alles, was atmet, lobe den Herrn!

Psalm 36, 7-8

Herr, du hilfst Menschen und Tieren. Gott, wie köstlich ist deine Huld!

Ezechiel 34, 15-16

Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirte sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

Hos 2,20

Ich schließe für sie an jenem Tag einen Bund mit den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels und mit allem, was auf dem Erdboden kriecht. Ich verbanne Bogen und Schwert und lasse sie wohnen in Sicherheit.

Welche Rolle spielen Haustiere im Leben von Menschen, die in Armut leben?

Tiere tun uns Menschen einfach wohl. Ganz besonders, wenn es uns nicht so gut geht. Ich denke, diese Erfahrung können viele Mitmenschen teilen. Und gerade dann, wenn jemand in Armut leben muss, bieten Tiere Halt, Stütze und Trost. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich auch die TierTafel ins Leben gerufen.

Wie sind Sie auf die Idee der TierTafel gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

In unserem Wohngebiet leben viele ältere Menschen mit einer sehr kleinen Pension. Viele davon leben allein. Ihr Haustier ist vielfach der einzige soziale Kontakt. Wenn in deren Haushalt beispielsweise der Kühlschrank kaputtgeht und ein neuer angeschafft werden muss, reißt das ein großes Loch in ihr Budget. Ich wollte etwas unternehmen, damit sich niemand aufgrund einer finanziellen Notsituation von seinem Haustier trennen muss. Die TierTafel steht unter der Patronanz der Pfarre Linz, St. Peter, wurde im Jahr 2010 gegründet und ist am 18. September 2014 mit dem Bundestierschutzpreis der Republik Österreich ausgezeichnet worden.

Wie finanziert sich die TierTafel und welches Service wird angeboten?

Die TierTafel erhält leider keine Subventionen der öffentlichen Hand. Diverse Unternehmen und Einzelpersonen unterstützen uns mit Sach- und Geldspenden. Obwohl wir immer am Limit sind, musste noch nie jemand mit leeren Händen nach Hause geschickt werden. Dass sich das dann doch immer wieder ausgeht, ist eigentlich ein Wunder. Wir vermitteln kostenlos Tierfutter an bedürftige Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer und unterstützen bei Möglichkeit auch bei Tierarztkosten. Wer die Bedürftigkeit nachweisen kann, bekommt von uns die Hälfte der Tierarztkosten ersetzt, gedeckelt mit 100 Euro.

Wie kann man die TierTafel unterstützen?

Am besten man nimmt mit unserer TierTafel- Hotline unter +43699 18 24 84 77 Kontakt auf. Die Hotline ist von Montag bis Samstag von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr besetzt. Wir freuen uns riesig über jeden Cent, der auf unserem Spendenkonto eingeht:

Sparkasse Oberösterreich
Kontobezeichnung: Pfarre Linz – St. Peter
IBAN: AT062032001000450609
BIC: ASPKAT2LXXX
Verwendungszweck: TIERTAFEL (bitte unbedingt angeben!)

Neben Geldspenden kann man Futter- oder Sachspenden direkt in die Pfarre Linz, St. Peter bringen. Außerhalb der Bürozeiten gibt es die Möglichkeit, Spenden ganz einfach vor der Haustüre in der Wallenbergstraße 20, 4020 Linz, abzustellen.

Welche Aktionen der Pfarre Linz, St. Peter stehen aktuell an?

Unsere alljährliche Weihnachtsaktion wurde mit der Tierfutterausgabe am 21. Dezember abgeschlossen. Im Mai gibt es wieder unseren Gottesdienst für Menschen, die um ein Tier trauern. Im Sommer 20 feiern wir ein großes Fest, für das die Vorbereitungen schon jetztbeginnen: 10 Jahre Tiertafel! Eine weitere Aufgabe, die für mich sehr erfüllend ist, weil ich hier das Evangelium wirklich umsetzen kann, ist das Integrationsprojekt “Alle unter einem Dach”. Dabei durften wir seit 2015 56 Menschen aus Syrien in ein neues Leben begleiten. Momentan wohnen noch fünf Menschen, die vor dem Krieg flüchten mussten, hier bei uns im Pfarrhof. “Alle unter einem Dach” wurde im Mai 2019 mit dem Integrationspreis der Landeshauptstadt Linz ausgezeichnet. Hier der link zum ORF TV-Bericht: https://www.youtube.com/watch?v=sqrmxCYm_L4

Was stimmt Sie hinsichtlich der Situation der Nutz- und Haustiere in Österreich zuversichtlich? Was ist bedenklich?

Zuversichtlich stimmt mich, dass mit dem Tierschutzvolksbegehren endlich Bewegung in die Sache kommt. Ich erwarte mir sehr viel davon. Traurig macht es mich, dass Tiere leider vielfach immer noch als Sache oder Ware angesehen werden. Die Elendstransporte von sogenannten Nutztieren in Lastautos quer durch und über Europa hinaus sprechen Bände. Immer wenn ich auf der Autobahn so einem LKW begegne, fühle ich mich klein und ohnmächtig. Ich spreche dann mit Gott und bitte ihn, die Herzen jener Menschen, die dafür verantwortlich sind, anzurühren und ihnen begreiflich zu machen, welches Leid sie verursachen.

Was wünschen Sie sich vom Tierschutzvolksbegehren?

Dass es ganz viele Menschen erreicht, die die Forderungen mit ihrer Unterschrift unterstützen. Und ich wünsche mir, nein, vielmehr erwarte ich mir, dass unsere Regierung die Forderungen rasch und unbürokratisch umsetzt.

Danke für das Interview!

Nähere Infos: www.tiertafel.at


Mag. Franz Zeiger ist in einer Arbeiterfamilie in Steyr/ Münichholz aufgewachsen. Er studierte Behindertenpädagogik und Theologie. Mit 35 Jahren wurde er zum Priester geweiht und betreut aktuell die Pfarren Bindermichl, Oed und St. Peter.


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