Verschwendung stoppen: Raus aus der Wegwerf-Gesellschaft!

Weniger Müll produzieren! Das ist Rosa-Maria und Benedikt Wurth ein Anliegen. Dafür fertigen sie den Jausnwrap, ein Bienenwachstuch aus nachhaltigen und 100 Prozent biologischen Rohstoffen in ihrer Manufaktur im Waldviertel in Handarbeit an. Wofür sich das über die Jahrhunderte bewährte, in Bienenwachs und Harz getränkte Bio-Baumwolltuch eignet und wie eine nachhaltigere Lebensweise gelingen kann haben uns die Unterstützer des Tierschutzvolksbegehrens erzählt.

Ihr seid der erste europäische Anbieter des Bienenwachstuchs. Erzählt uns doch bitte, wie es zur Gründung von Jausnwrap kam.

Im Jahr 2016 haben wir Jausnwrap gegründet. Anstoß dafür waren die Suche nach einer Alternative für Frischhaltefolien und die vielen Plastikverpackungen beim Einkauf von Lebensmitteln. 2018 haben wir bei dem TV Format „2 Minuten 2 Millionen“ teilgenommen. Für uns war das eine Chance Jausnwrap bekannter zu machen. Obwohl alle Investoren eingestiegen wären haben wir das Investment aufgrund unterschiedlicher Zielvorstellungen abgelehnt.

Was wisst ihr über die Geschichte des Bienenwachstuchs?

Das Bienenwachstuch kommt aus dem landwirtschaftlichen, bäuerlichen Bereich. In Österreich wurde es in den 50er- und 60er-Jahren von vielen Menschen selbst hergestellt. Damals gab es keine Alu- oder Frischhaltefolien um Lebensmittel frisch zu halten. In anderen Teilen Europas werden Bienenwachstücher auch heute noch selbst hergestellt, vor allem in Regionen, in denen bäuerliche Strukturen vorherrschend sind.

Woraus setzt sich ein Jausnwrap zusammen und woher bezieht Ihr die Rohstoffe?

Der Jausnwrap besteht aus Baumwolle, Bienenwachs, Baumharz und Sonnenblumenöl. Auf die Herkunft dieser Rohstoffe legen wir großen Wert. Dieser Luxus ergibt sich, wenn man Produkte zur Gänze selbst herstellt. Den Hauptbestandteil des Jausnwrap macht das Bienenwachs aus. Wir beziehen es aus Österreich und zusätzlich von ein, zwei deutschen Herstellern, die wir alle persönlich kennen. Das Baumharz, beziehungsweise das Kolophonium (Destillationsrückstand von Harz) kommt von Pechern aus dem Piesting- und Triestingtal. Auch das Sonnenblumenöl stammt aus Österreich. Stofflieferant ist eine kleine deutsche Weberei, die die Baumwolle von Erzeugern aus deren Umgebung bezieht und sehr hohe Standards einhält. Diese Vernetzung zeigt den Spagat, den man heute teilweise hinbekommen muss. Manchmal macht es einfach keinen Sinn lokal einzukaufen, wenn ein Rohstoff nicht erhältlich oder nicht in den gewünschten Qualitätskriterien vorhanden ist.

Wie wird der Jausnwrap hergestellt?

Die Baumwollstoffe werden in ein Gemisch aus Bienenwachs, Kolophonium und Sonnenblumenöl getaucht und dadurch imprägniert. Die fertigen Tücher werden getrocknet, geschnitten und schließlich verpackt.

Wofür lässt sich das Bienenwachstuch verwenden?

Der Jausnwrap ist zum Einpacken von trockenen und feuchten Lebensmitteln zertifiziert. Er schmiegt sich um Köstlichkeiten oder deren Behältnisse und schafft einen natürlichen Schutz. Wir verwenden ihn sehr gerne zum Frischhalten von Brot. Grundsätzlich kann man alles, was angeschnitten ist oder einer Verpackung bedarf, frisch halten. Das Tuch eignet sich auch gut zum Abdecken von Schüsseln, die keinen Deckel haben. Hier ein paar weitere Ideen zur Anwendung: www.jausnwrap.at/verwendung



Wie reinigt man den Jausnwrap richtig?

Indem man ihn unter kaltes bis lauwarmes, fließendes Leitungswasser hält. Falls das Tuch fettig geworden ist, kann man ein kleines bisschen Spülmittel dazugeben. Im Normalfall reicht aber wirklich kaltes bis lauwarmes Leitungswasser. Danach einfach abtupfen und wiederverwenden.

Welche Lebensdauer hat der Jausnwrap und wie entsorgt man das Tuch am besten?

Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, wie oft und wofür der Jausnwrap verwendet wird. Grundsätzlich hält er etwa ein bis zwei Jahre. Es gibt auch Leute, die uns nach drei bis vier Jahren erzählen, dass sie ihr Tuch immer noch verwenden. Für die Entsorgung gibt es folgende Möglichkeiten: Entweder man gibt das Tuch zum Kompost bzw. in die Biotonne oder man verbrennt es.

Welche Vorteile hat der Jausnwrap gegenüber Plastik?

Der erste Vorteil ist die Wiederverwendbarkeit. Ein Bienenwachstuch ist beständiger, hält länger und spart dadurch Verpackungsmüll ein. Außerdem enthält es keine künstlichen Inhaltsstoffe. Man packt seine Lebensmittel also zu 100 Prozent in ein Naturmaterial ein, das auch mehr Atmung zulässt. Ein weiterer, wesentlicher Aspekt beim Kauf des Jausnwraps ist die Unterstützung des regionalen Wertschöpfungszyklus.

Wie lassen sich Plastik und Müll vermeiden?

Meine persönliche Herangehensweise: einfach einmal nichts kaufen! Die Vermeidung von Konsumgütern ist dringend notwendig. Das muss auch nicht mit einer Reduktion von Lebensqualität einhergehen, im Gegenteil: die Reduktion des Überflusses kann auch schön sein. Darin liegt ein großes gesellschaftliches Potential für Veränderung! Außerdem ist es wichtig beim Einkauf auf Regionalität und unverpackte Produkte zu achten. Letztere erhält man zum Beispiel auf dem Bauernmarkt, in Zero-Waste-Shops oder in Bioläden. Man kann auch nach plastikfreien Alternativen fragen. Gerade kleine Unternehmen reagieren oft sehr schnell und passen ihre Angebote an Konsumentenwünsche an. Dinge wieder zu verwenden beziehungsweise einfach länger zu verwenden ist natürlich auch ein ganz wichtiger Punkt. Bea Johnson, die „Mutter der Zero Waste Bewegung“, liefert ein Konzept zur Müllvermeidung. Sie hat es mit der 5 „R“ Regel auf den Punkt gebracht.

  • Dinge ablehnen (refuse)
  • Reduzieren (reduce)
  • Wiederverwenden(reuse)
  • Recyclen (recycle)
  • Kompostieren(rot)

Welche Werte möchtet ihr euren Kindern in dieser Hinsicht weitergeben?

Die angesprochenen Themen wie Regionalität, Müllvermeidung und Plastik sind heute im medialen Fokus. Ab einem gewissen Alter bekommt man das auch als Kind mit. Ich beobachte, dass gerade Kinder strikter und sensibilisierter als so mancher Erwachsener sind. Die Reduktion von Konsum sollte jedoch nicht zur Ideologie gemacht werden: das muss alles mit Maß und Ziel geschehen. Natürlich ist die heiß ersehnte Barbiepuppe auch aus Plastik, aber wenn es das einzige ist, dann ist das zu verschmerzen. Ein gesundes Maß erkennen und verstehen, dazu wollen wir auch unsere Kinder erziehen.

Welches Motiv steht hinter eurer Zusammenarbeit mit dem Tierschutzvolksbegehren?

Uns gefällt der Ansatz des Tierschutzvolksbegehrens. Unter anderem, dass niemandem eine Ideologie aufgezwungen wird. Durch die Nutzung von Bienenwachs haben wir einen sehr direkten Kontakt zu Bienen. Honigbienen könnten alleine nicht mehr bestehen. Der Imker kann nur erfolgreich imkern, wenn er den Bienen nicht zu viel wegnimmt. Die Bienen können nicht leben, wenn der Imker sich nicht um sie kümmert. Und das Tierschutzvolksbegehren stellt genau diesen Mittelweg und duale Fragen sehr gut dar. Es lässt Raum für Diskussionen.

Was wünscht ihr euch vom Tierschutzvolksbegehren?

Nur etwas, das wir uns für das Tierschutzvolksbegehren wünschen: dass es von der Politik behandelt wird. Dass zumindest die Strukturen eine Chance bekommen. Diese zu schaffen, ist einfach Aufgabe der Politik. Die Entscheidung, diese Strukturen dann auch zu nutzen, obliegt dann jedem selbst.


Nähere Infos: www.jausnwrap.at

Mag. Rosa-Maria und DI Benedikt Wurth leben mit ihren beiden Kindern im Waldviertel. Der Umwelt- und Bioressourcenmanager und die Erziehungswissenschaftlerin schätzen die handwerkliche Beschäftigung mit der Natur und ihren Produkten. Neben dem Jausnwrap vertreiben sie auch Pilze (Waldviertler Pilzgarten).


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